Theologie

Hast du dich entschieden oder wurdest du bekehrt?

Es ist ganz interessant, welche Worte Menschen benutzen, wenn sie über den Zeitpunkt ihrer Hinwendung zu Christus sprechen. Bewusst oder unbewusst, nicht selten kann man Rückschlüsse auf die vertretene Theologie ziehen.

„Wann hast du dich entschieden?“ Diesen Satz wird häufig von Menschen verwendet, die einen großen Wer auf die Verantwortung des Menschen legen. Ja, der Schritt hin zu Christus hat etwas mit einer aktiven Entscheidung zu tun. Aber ich frage mich immer wieder, warum benutzen wir nicht die Worte der Bibel? Hier wird von Umkehr oder von Buße gesprochen. Diese Begriffe sind meiner Ansicht wesentlich aussagekräftiger als eine nebulöse „Entscheidung“ (wofür oder wogegen eigentlich)? Umkehr und Buße sind notwendig, weil wir von Natur aus auf dem falschen Weg sind. Der Richtungswechsel bzw. die Gesinnungsänderung sind Voraussetzungen dafür. Beide Begriffe machen außerdem deutlich, dass eine Verhaltensänderung notwendige Folge ist. Wer seine Lebensrichtung geändert hat und wer einen Gesinnungswechsel vollzogen hat, der zeigt auch ein verändertes Verhalten (natürlich deshalb, weil der Heilige Geist nun in ihm wohnt).

„An dem Tag wurde ich bekehrt…“ Das ist ein Satz, der häufig von Personen verwendet wird, die einen großen Wert auf Gottes Handeln bei der Hinwendung zu ihm legen. Der Grund ist für mich absolut nachvollziehbar. Das Problem ist, dass Bekehrung in der Bibel immer etwas aktives ist, nie etwas passives. Meines Wissens nach ist Lk 1,16f die einzige Bibelstelle, in der davon gesprochen wird, dass Menschen „bekehrt werden“. Hier ist allerdings nicht Gott der Handelnde, sondern Johannes der Täufer. Das sollte zu denken geben. Klar ist, dass die Bekehrung eines Menschen ohne Gottes Gnade unmöglich ist. Die Begriffe sollte man meiner Ansicht nach aber trotzdem lieber so gebrauchen, wie die Bibel es tut. Die Wiedergeburt ist ganz sicher etwas, das Gott tut, aber die Bekehrung muss der Mensch vollziehen.

Egal, welche theologische Überzeugung du hast, ich möchte dazu ermutigen, die Begriffe so zu verwenden, wie die Bibel es tut. Es lohnt sich übrigens, mal ein Wortstudium zu Umkehr (epistrépho bzw. epistrophä) und Buße (metanoéo bzw. menánoia) in der Apostelgeschichte zu machen…

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