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Buchbesprechung: Induktives Bibelstudium

Bereits in meinem letzten Beitrag hatte ich das Buch Induktives Bibelstudium von Richard Alan Fuhr und Andreas Köstenberger erwähnt. Es hat mir so gut gefallen, dass ich es im nun im Rahmen einer Buchbesprechung etwas ausführlicher vorstellen möchte. 2016 erschien es in englischer Sprache, zwei Jahre später folgte dann die deutsche Übersetzung.

Die Autoren

Andreas Köstenberger (gebürtiger Österreicher) ist Research Professor für Neues Testament und Biblische Theologie, sowie Direktor des Center for Biblical Studies am Midwestern Theological Seminary. Köstenberger ist Autor zahlreicher Werke, darunter auch Invitation to Biblical Interpretation, das die Grundlage für Induktives Bibelstudium war. Richard Allan Fuhr ist Assistant Professor für Biblical Studies an der School of Divinity der Liberty University. Fuhr beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit den Methoden des Induktiven Bibelstudiums. Von ihm kam auch die Idee, auf Grundlage der Prinzipien von Invitation to Biblical Interpretation ein Werk über das Induktive Bibelstudium zu schreiben. Köstenberger ist von Haus aus Neutestamentler, Fuhr Alttestamentler. Beide ergänzen sich sehr gut.

Der Aufbau

Das Buch ist in drei große Teile gegliedert, die die Schritte des Induktiven Bibelstudiums beschreiben.

  1. Beobachtung: Hier wird aufgezeigt, wie man einen Bibeltext gründlich lesen kann. Es geht darum, verschiedene Bibelübersetzungen zu verwenden, dem Text aktiv zuzuhören, wesentliche Begriffe zu identifizieren und literarische Merkmale zu beachten. Außerdem gibt es eine kleine Einführung in die Diskursanalyse.
  2. Auslegung: Hier geht es darum, den Bibeltext richtig zu interpretieren. Es geht um die historischen, literarischen und theologischen Zusammenhänge, um den Vergleich mit anderen biblischen Aussagen, die lexikalische und konzeptuelle Analyse, Motive für Themenstudien, sowie um die Verwendung wissenschaftlicher Hilfsmittel.
  3. Anwendung: Dieser Teil ist der kürzeste. Hier geht es darum, die Botschaft in die Praxis zu übertragen. Es geht um die Frage nach der Relevanz und Gültigkeit eines Bibeltextes, um die Aneignung der Botschaft und um praktizierte Theologie.

Die Stärken

Das Buch hat drei ganz große Stärken:

  1. Es ist sehr gründlich: Der Aufbau ist gut durchdacht und die einzelnen Kapitel ziemlich umfassend. Bei dem Vergleich unterschiedlicher Bibelübersetzungen werden z. B. nicht nur die unterschiedlichen Übersetzungsphilosophien vorgestellt, die Autoren gehen auch auf die unterschiedlichen Arten der Grundtexte ein um Unterschiede der Übersetzungen zu erklären. Sicher werden diese Themen nicht erschöpfend vorgestellt, aber doch so dass man sie verstehen kann.
  2. Es ist extrem praxisnah geschrieben: Fuhr und Köstenberger liefern in jedem Kapitel zahlreiche Beispiele aus dem Alten und Neuen Testament. So sieht man gleich, wie die Methoden angewendet werden können.
  3. Es ist gut für deutsche Leser adaptiert: Wenn Fuhr und Köstenberger verschiedene Bibelübersetzungen vergleichen, dann natürlich englischsprachige. Die Beispiele kann man nicht alle ohne Weiteres in die deutsche Sprache übertragen. Hier wurde von den Übersetzern aber sehr gut gearbeitet. Teilweise wurde der Text sogar durch Beispiele ergänzt, die nur auf Grundlage deutscher Übersetzungen Sinn machen, z. B. bei der Diskussion um altertümliche Begriffe in älteren Übersetzungen.

Die Schwächen

Die Übersetzung wirkt an ein paar Stellen etwas sperrig. Das ist mir besonders auf den ersten Seiten aufgefallen. So ist auf S. XI z. B. vom „expositorischen Studium“ die Rede oder von „der Kulmination eines schrittweisen Prozesses“. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Übersetzer etwas freier übersetzen. Ich hatte aber das Gefühl, dass es nach den ersten Seiten besser wurde.

Was ich stärker bedauere ist, dass das Buch sehr eng gesetzt ist. Ein Text, der vom englischen ins deutsche übersetzt wird, wird in aller Regel länger. Trotzdem enthält das Buch in der deutschen Übersetzung fast 10% weniger Seiten und ist auch vom Format her etwas kleiner geraten. Die Empfehlungstexte einiger Theologen auf der Rückseite des Buches sind kaum lesbar. Im Innenteil sieht es etwas besser aus, aber es wirkt doch alles ein wenig gequetscht. Ich gehe stark davon aus, dass das den Wunsch des Verlags geschuldet ist, das Buch möglichst günstig anbieten zu können. Persönlich hätte ich mir aber gewünscht, dass das Buch etwas leserfreundlicher gesetzt worden wäre und hätte dann auch gerne ein paar Euro mehr dafür gezahlt.

Mein Fazit

Bis auf die Kleinigkeiten, die die äußere Form des Buches betreffen, bin ich absolut begeistert von diesem Buch. Es ist anspruchsvoll geschrieben und keine gute Nacht Lektüre. Es ist aber eine große Hilfe für alle, die lernen wollen, die Bibel gründlich zu studieren. Meines Wissens nach gibt es bisher nichts vergleichbares in deutscher Sprache.

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