Bücher Theologie

Auslese: November 2020

Griechisch, Leiterschaft, Evangelien, Theologie, Erziehung. Das sind die Themen meiner gelesenen Bücher vom November. Nr. 1 und 3 sind diesmal meine Favoriten.

Constantine Campbell: Advances in the Study of Greek

Altgriechisch gibt es schon eine ganze Weile. Und trotzdem haben die letzten Jahrzehnte einige neuere Erkenntnisse hervorgebracht, die wichtig sind für das Sprachverständnis. Fortschritt gibt es natürlich nie ohne Debatten und so steppt Campbell unterschiedliche Sichtweisen fair nebeneinander. Dabei geht er natürlich über die absoluten Basics hinaus. Nach einigen einleitenden Kapiteln, in denen er einen Überblick über die Entwicklungen und Grundlagen der Linguistik gibt, beschäftigt sich Campbell mit Deponentien, Aspekt und Aktionsart, Idiolekt, Genre und Register, Diskursanalyse, Aussprache und Ansätzen für das Lehren und Lernen der Sprache. Besonders gut geeignet für alle, bei denen das Erlernen des Altgriechisch schon ein paar Jahre her ist.

Simon Sinek: Leaders Eat Last

Simon Sinek wurde vor allem durch seinen TED-Talk „How Great Leaders Inspire Action“ und das dazugehörige Buch „Frag immer erst warum“ bekannt. In diesem Buch schreibt er über das Geheimnis funktionierender Teams. Das ist für ihn vor allem durch einen Leiter begründet, der sich für das Wohl deines Teams einsetzt, und durch eine Kultur, die Zusammenarbeit anstatt Konkurrenz fördert. Sinek führt etliche Beispiele aus der Geschäftswelt an, um seine Prinzipien zu veranschaulichen. Im letzten Teil des Buches schreibt er, wie man eine Führungspersönlichkeit wird. Zwischenzeitlich hat mir der rote Faden etwas gefehlt, aber die vermittelten Prinzipien sind sehr hilfreich für Leiter aller Art.

Martin Hengel: Die vier Evangelien und das eine Evangelium von Jesus Christus

Auf meinem Wunschzettel stand das Buch schon einige Zeit, aber ich habe mich immer vom Preis abschrecken lassen und gehofft, es irgendwann gebraucht zu bekommen. Nun wollte ich nicht mehr länger warten. Martin Hengel († 2009) war Professor für Neues Testament an der Universität Tübingen und hier ein Vertreter konservativer Ansichten. Man wird ihn kaum als Evangelikalen bezeichnen können, aber er wurde von vielen Evangelikalen sehr geschätzt. In seinem Buch Die vier Evangelien und das eine Evangelium von Jesus Christus schreibt er über den Beitrag der vier Evangelien und ihre historische Zuverlässigkeit. Der Quelle Q (Zwei- bzw. Vierquellentheorie) steht er weitgehend kritisch gegenüber und sieht bei Matthäus eine literarische Abhängigkeit von Lukas (und bei beiden eine von Markus). Das Markusevangelium datiert er dementsprechend kurz vor 70 n. Chr., das Lukasevangelium (und die Apostelgeschichte) um 80 n. Chr., Matthäus und Johannes tendenziell beide in den 90ern. Bei der Kanonbildung bleibt er etwas schwammig und grenzt sich nicht so deutlich von außenkanonischen neutestamentlichen Schriften ab, betont aber die herausragende Stellung der vier kanonischen Evangelien. Auch wenn man nicht jeder Schlussfolgerung zustimmen wird, ein must-read für alle, die tiefer in die Materie einsteigen wollen und auf wissenschaftlichem Niveau eine weitgehend konservative Einführung suchen.

Gavin Ortlund: Finding the Right Hills to Die On

Jeder von uns kennt wohl die üblichen Streitthemen unter Christen. Das richtige Taufverständnis, unterschiedliche Endzeitlehren, die Frage nach dem freien Willen, Geistesgaben heute usw. Aber welche Lehren sollten trennen und welche nicht? Gavin Ortlund geht in seinem Buch darauf ein. Dabei bemüht er sich sowohl darum, die Gefahren der Sektierer zu vermeiden als auch die auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Ortlund unterscheidet zwischen vier Kategorien. (1) Erstrangige Lehren sind grundlegend für das Evangelium selbst. (2) Zweitrangige Lehren sind von großer Bedeutung für die Gesundheit und das Handeln der Gemeinde, sodass sie Christen häufig dazu bringen, sich in Bezug auf Gemeindezugehörigkeit, Denomination oder Dienst zu trennen. (3) Drittrangige Lehren sind wichtig für die christliche Theologie, aber nicht so sehr, um Trennung unter Christen zu rechtfertigen. (4) Viertrangige Lehren sind in Bezug auf unser Zeugnis für das Evangelium und die Zusammenarbeit im Dienst unbedeutend. Einige Lehren greift er direkt auf und ordnet sie bestimmten Kategorien zu. Bei anderen lässt er es offen. Es geht ihm aber nicht darum, dem Leser eine Zuordnung vorzugeben, sondern geistliches Unterscheidungsvermögen zu fördern. Und das gelingt ihm hervorragend.

Eberhard Mühlan: Bleib cool, Papa!

Eberhard Mühlan ist Familienpädagoge, Theologe und Vater von 13 inzwischen erwachsenen Kindern (6 angenommene und 7 „eigene“). Zusammen mit seiner Frau Claudia gehört er zu den Begründern von Team.F. In insgesamt 23 Kapiteln gibt Mühlen „Ratschläge für viel beschäftigte Väter“ (so auch der Untertitel). Der Umfang der einzelnen Kapitel ist sehr unterschiedlich (von 2 bis 11 Seiten), alle sind aber gut an einem Stück lesbar, auch für solche Väter, die es nicht gewohnt sind, viel lesen. Mühlen teilt dabei viele seiner eigenen Erfahrungen, lässt aber auch sehr oft andere Väter zu Wort kommen. Vor Ratschlägen für die Geburtsvorbereitung bis hin zu Tipps für Gespräche mit Teenagern ist für alle etwas dabei. Ich kann es allen Vätern herzlich empfehlen. Es ist allerdings leider nur noch als (sehr günstige) Kindle-Version erhältlich. Über die Website der Mühlans scheint es aber noch verfügbar zu sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.