Wer viele Nachrichten, E-Mails und Dokumente schreibt, kennt das Problem: Der Gedanke ist bereits klar, aber das Tippen kostet Zeit. KI-gestützte Spracheingabe kann diese Lücke verkleinern. Sie wirft allerdings eine weitere Frage auf: Hilft mir die KI nur beim Schreiben – oder übernimmt sie zunehmend auch das Ordnen meiner Gedanken?
Seit einigen Wochen nutze ich Wispr Flow intensiv. Besonders deutlich wird der Vorteil für mich unterwegs. Ich fahre fast jeden Tag mit dem Fahrrad. Wenn mir dabei ein Gedanke für eine Predigt, ein interessantes Buch oder etwas zum Ausprobieren einfällt, halte ich kurz an und spreche ihn in das Scratchpad von Wispr Flow. Einen längeren Text auf dem Smartphone einzutippen, wäre mir häufig zu umständlich. Die kurze Sprachnotiz ist dagegen schnell festgehalten und wird unmittelbar in Text umgewandelt.
Diese kleine Alltagsszene zeigt, was Wispr Flow für mich auszeichnet: Die App verringert die Reibung zwischen einem Gedanken und dem geschriebenen Text.
Mehr als eine gewöhnliche Diktierfunktion
Apps für KI-gestützte Spracheingabe gibt es inzwischen viele. Wispr Flow und Typeless sind nur zwei davon. Ich habe verschiedene Angebote verglichen, aber nur diese beiden über mehrere Wochen ausführlicher getestet. Meine folgende Einordnung ist deshalb keine umfassende Marktübersicht, sondern beschreibt meine persönliche Erfahrung.
Natürlich besitzt macOS bereits eine Diktierfunktion. Auch ChatGPT und andere Anwendungen ermöglichen Spracheingaben. Der entscheidende Vorteil einer spezialisierten App wie Wispr Flow besteht für mich darin, dass sie unmittelbar in den meisten Anwendungen funktioniert, in denen ich sonst tippen würde.
Am Mac starte ich Wispr Flow über die fn-Taste oder einen Druck auf das Mausrad, spreche meinen Text ein und beende die Aufnahme anschließend wieder. Dann erscheint der Text direkt im jeweiligen Eingabefeld. Ich muss ihn nicht erst in einer anderen Anwendung erzeugen und anschließend kopieren.
Dabei schreibt Wispr Flow nicht einfach jedes Wort wörtlich mit. Die App entfernt Füllwörter, Wiederholungen und verworfene Satzanfänge. Sie setzt Satzzeichen, formatiert Aufzählungen und kann unterschiedliche Schreibstile für E-Mails oder persönliche Nachrichten berücksichtigen. Ein persönliches Wörterbuch hilft bei Namen und Fachbegriffen.
Der ausgegebene Text ist nicht immer fertig. Er liegt aber häufig schon recht nahe an dem, was ich tatsächlich schreiben wollte.
Wofür ich Wispr Flow nutze
Am Mac verwende ich Wispr Flow vor allem für schriftliche Arbeiten. Ich diktiere Nachrichten in Apples Nachrichten-App oder in WhatsApp, schreibe E-Mails und formuliere längere Dokumente. Wenn ich bereits weiß, was ich sagen möchte, geht das Sprechen meistens schneller als das Tippen.
Ein besonders wichtiger Anwendungsbereich ist für mich ChatGPT. ChatGPT nutze ich schon seit über zwei Jahren regelmäßig. Inzwischen diktiere ich viele meiner Fragen und Arbeitsaufträge mit Wispr Flow direkt in das Eingabefeld.
Wispr Flow ersetzt ChatGPT also nicht. Es erleichtert mir die Eingabe. Gerade längere Arbeitsaufträge kann ich auf diese Weise ausführlicher formulieren und mit mehr Kontext versehen, als ich es bei einer schnell eingetippten Frage vermutlich tun würde.
Auf dem iPhone nutze ich vor allem das Scratchpad. Dort halte ich Gedanken für Predigten, Bücher oder Podcasts, Erinnerungen und andere Ideen fest. Weil die Notiz sofort als Text vorliegt, kann ich sie später leichter überfliegen und weiterverarbeiten als eine gewöhnliche Audioaufnahme.

Warum ich Wispr Flow statt Typeless nutze
Bevor ich mich für Wispr Flow entschieden habe, habe ich Typeless einige Wochen lang verwendet. Auch Typeless ist eine hilfreiche App. Das kostenlose Kontingent ist großzügig und ermöglicht einen ausführlichen Test.
Besonders attraktiv ist, dass Typeless nicht nur das Gesprochene transkribiert und bereinigt. Die App kann auch frei ausgesprochene Gedanken stärker strukturieren und daraus einen gut lesbaren Text machen. Wer seine Gedanken beim Sprechen entwickelt und anschließend ordnen lassen möchte, kann dadurch sehr schnell zu einem brauchbaren Ergebnis kommen.
Ich hatte bei Typeless allerdings den Eindruck, dass die App stärker in meine Formulierungen und in den Aufbau meiner Texte eingreift. Dafür wirbt Typeless auf seiner Website auch ausdrücklich:
Sprechen Sie natürlich, und Typeless wird Ihre Worte in ausgefeilte Nachrichten, E-Mails und Dokumente verwandeln, die so klingen, als hätten Sie sie sorgfältig eingegeben.
Der Unterschied ist nicht riesig. Beide Apps entfernen Füllwörter, erkennen Selbstkorrekturen und formatieren das Gesprochene. Nach meiner Erfahrung ist Typeless jedoch stärker darauf ausgerichtet, aus frei entwickelten Gedanken einen strukturierten Text zu machen.
Das ist nicht grundsätzlich schlecht. Manche Menschen denken besonders gut, indem sie sprechen und ihre Gedanken dabei entfalten. Für sie kann die stärkere Strukturierung eine wertvolle Hilfe sein.
Ich möchte aber weiterhin üben, meine Gedanken bereits vor und während des Sprechens zu ordnen und verständlich wiederzugeben. Eine KI darf mir gern Füllwörter, Wiederholungen und verworfene Satzanfänge abnehmen. Sie soll aber nicht regelmäßig die gedankliche Ordnung herstellen, für die ich selbst verantwortlich sein möchte (siehe auch: KI als Trainer statt als Orakel).
Die Fähigkeit, einen Gedanken zu durchdenken und nachvollziehbar auszusprechen, ist für mich kein lästiger Zwischenschritt. Diese Fähigkeit sollte trainiert werden. Wispr Flow passt deshalb besser zu meiner Arbeitsweise: Die App erleichtert mir das Schreiben, ohne mir nach meinem Eindruck zu viel von dieser Arbeit abzunehmen.
Prüfen und verantwortlich bleiben
So hilfreich die Ergebnisse sind: Ich lese jeden Text, bevor ich ihn versende. Wispr Flow kann Wörter falsch verstehen, Namen verwechseln oder einen Satz anders wiedergeben, als ich ihn gemeint habe. Ein flüssig formulierter Text ist nicht automatisch ein richtiger Text.
Auch für den Inhalt bleibe ich verantwortlich. Die App kann einen Gedanken schneller verschriftlichen. Sie kann aber nicht entscheiden, ob er wahr, hilfreich und der Situation angemessen ist.
Warum wir bei KI nicht nur auf das Ergebnis, sondern auch auf den prägenden Arbeitsprozess achten sollten, habe ich in KI ohne Hype: Was wir nicht delegieren dürfen ausführlicher beschrieben.
Vorsicht ist außerdem bei vertraulichen Informationen nötig. Wenn ich mit Wispr Flow einen Text für ChatGPT diktiere und anschließend absende, wird der Inhalt nacheinander von zwei Diensten verarbeitet. Identifizierbare seelsorgerliche Inhalte und andere vertrauliche Informationen gebe ich deshalb grundsätzlich nicht ein. Die genauen Datenschutzbedingungen unterscheiden sich je nach Dienst, Tarif und Einstellung. Der bequeme Zugang sollte nicht dazu führen, dass wir weniger sorgfältig über die übermittelten Informationen nachdenken.
Für wen sich Wispr Flow lohnen könnte
Für mich ist Wispr Flow inzwischen eine sehr hilfreiche App. Sie erleichtert die kurze Notiz unterwegs ebenso wie Nachrichten, E-Mails, längere Dokumente und Arbeitsaufträge für ChatGPT.
Besonders interessant dürfte die App für dich sein, wenn du viel schreibst, meistens schon weißt, was du sagen möchtest, und deine Gedanken schneller in Text verwandeln willst. Wenn du dagegen zunächst frei sprichst und dir anschließend eine stärkere inhaltliche Strukturierung wünschst, könnte Typeless besser zu deiner Arbeitsweise passen.
Beide Apps lassen sich kostenlos ausprobieren. Dabei würde ich nicht nur auf Geschwindigkeit und Erkennungsqualität achten. Prüfe auch, wie stark die App deine Formulierungen und die Ordnung deiner Gedanken verändert. Unterstützt sie dich bei einer Aufgabe – oder übernimmt sie zunehmend eine Fähigkeit, die du behalten und trainieren möchtest?
Wer Wispr Flow regelmäßig nutzt, wird beim kostenlosen Kontingent vermutlich bald an Grenzen stoßen. Das finde ich nicht grundsätzlich problematisch. Für eine App, die dauerhaft hilft und Zeit spart, darf man auch etwas bezahlen.
Wenn du beide Anwendungen ausprobieren möchtest, kannst du meine Empfehlungslinks verwenden:
- Über meinen Empfehlungslink für Wispr Flow erhältst du eine 30-tägige Pro-Testphase.
- Über meinen Empfehlungslink für Typeless erhältst du fünf Dollar Guthaben für Typeless Pro.
Hinweis: Bei beiden Links handelt es sich um Empfehlungslinks, von denen auch ich profitieren kann. Wenn du über den Wispr-Flow-Link ein Konto erstellst und mindestens 2.000 Wörter diktierst, kann ich einen kostenlosen Monat Pro erhalten. Bei Typeless erhalte ich nach 2.000 von dir diktierten Wörtern ebenfalls fünf Dollar Guthaben.
Wenn du meine zukünftigen Artikel sowie ausgewählte Buchempfehlungen und Leitungsimpulse direkt per E-Mail erhalten möchtest, kannst du dich für meinen monatlichen Newsletter eintragen. Hier eintragen.
