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Buchbesprechung: Endzeit? Eigentlich ganz einfach!

Dieses Jahr beschäftige ich mich verstärkt mit dem Thema Endzeit. Zuletzt mit einem Buch aus amillennialistischer Perspektive: Endzeit? Eigentlich ganz einfach!

Zum Autor

Samuel Waldron ist Studienleiter und Professor für Systematische Theologie am Covenant Baptist Theological Seminary, sowie Pastor der Grace Reformen Baptist Church in Owensboro, Kentucky. Er wuchs in einem dispensationalistisch geprägten Gemeinde-Umfeld auf, orientierte sich später aber in Richtung Amillennialismus.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in fünf Teile (mit insgesamt 23 Kapiteln) eingeteilt. Teil 1: Eschatologie leicht gemacht. Hier stellt Waldron die Grundzüge der amillennialistischen Eschatologie dar. Das ist im Wesentlichen die heilgeschichtliche Einteilung in zwei Zeitalter (im Gegensatz zum Dispensationalismus, der deutlich mehr benennt) und das jüngste Gericht als Trennlinie zwischen den zwei Zeitaltern. Teil 2: Das Kommen des Reiches Gottes. Hier wird das Reich Gottes als gegenwärtige Realität beschrieben und mit dem Millennium (aus Offb 20) gleichgesetzt. Teil 3: Fragen zum jetzigen Zeitalter. Hier wird primär das Verhältnis von Israel und der Gemeinde dargestellt, das laut Waldron stärker durch Kontinuität statt durch Diskontinuität gekennzeichnet ist (Gottes Verheißungen an sein Volk Israel gelten nunmehr seinem Volk aus allen Nationen). Darüber hinaus geht es um den gegenwärtigen Zustand verstorbener Menschen. Teil 4: Fragen zur Wiederkunft Christi. Hier setzt sich Waldron vor allem kritisch mit der Vorentrückungslehre auseinander. Teil 5: Fragen zur Auferstehung und Ewigkeit. Hier geht es um die Auferstehung, die ewige Strafe und den neuen Himmel und die neue Erde.

Was ich schätze

Waldron gelingt es, den Amillennialismus verständlich darzustellen. Die grundlegende Einteilung der Heilsgeschichte in zwei Zeitalter ist, wie der Titel schon sagt, tatsächlich „ganz einfach“ und dazu auch völlig nachvollziehbar. Die Eschatologie wird auch in unseren Kreisen gelegentlich so dargestellt, als wäre sie nur von Spezialisten zu durchschauen. Waldron vertritt dagegen einen wohltuend allgemein verständlichen Ansatz. Seine Kritik an der Vorentrückungslehre sollte durchaus Beachtung finden. Auch bei Ansichten, die ich nicht teile, habe ich etliche hilfreiche Anregungen gefunden. Darüber hinaus geht es natürlich auch um viele Themen, die Vertreter aller Modelle unterschreiben können sollten, z. B. das ewige Schicksal von Christen und Nichtchristen.

Was ich kritisch sehe

Das Buch ist in großen Teilen eine Auseinandersetzung mit dem klassischen Dispensationalismus. Teilweise hat Waldron auch extreme Auswüchse im Blick, wenn er z. B. gegen Personen argumentiert, die den Termin der Wiederkunft Jesus’ berechnen wollen (Harold Camping). Während Waldron zu Recht eine starke Betonung der Diskontinuität kritisiert, fällt er aus meiner Sicht auf der anderen Seite vom Pferd. Dass es nicht ganz so einfach ist, die Heilsgeschichte in zwei Zeitalter einzuteilen, gibt Waldron ja schließlich selbst zu, wenn er vom „schon jetzt“ und „noch nicht“ schreibt. Dass Gottes Volk Israel vollständig in die Gemeinde hinein aufgelöst wurde, finde ich schwierig. Mit vermittelnden Position wie dem Progressiven Dispensationalismus setzt Waldron sich außerdem kaum auseinander. Auch die amillennialistische Auslegung zu Offb 20 ist bei Weitem nicht so plausibel, wie Waldron das vorgibt.

Mein Fazit

Wer eine Einführung in das amillennialistische Endzeit-Modell sucht, ist hier genau richtig. Ich empfehle dieses Buch ausdrücklich auch Lesern aus dem dispensationalistischen Lager (zu dem ich mich grundsätzlich auch zähle). Man muss nicht alle Argumente und Auslegungen teilen. Vieles ist aber zumindest bedenkenswert. Und in jedem Fall hat man dann mal die andere Seite gehört.

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