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Buchbesprechung: Die Kunst, sich nicht ablenken zu lassen

Nir Eyal ist Autor des Bestlellers Hooked. Darin legt er dar, wie man Produkte erschafft, die süchtig machen. „Hooked gibt dir den Bauplan für die Produkte der nächsten Generation. Lies Hooked oder die Firma, die deine ablösen wird, wird es tun.“ So jedenfalls Matt Mullenweg, der Gründer und leitende Entwickler von WordPress. Während gute Produkte ihren Nutzern das Leben durchaus erleichtern können, bergen sie auch Gefahren in sich. Dementsprechend will Eyal Nutzern mir seinem zweiten Buch Die Kunst sich nicht ablenken zu lassen Werkzeuge an die Hand geben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Der Aufbau

Das Buch ist in sieben Teile eingeteilt. Die Teile 1-4 bilden die Grundlage. Im ersten Teil geht darum, interne Trigger zu bewältigen. Die Motivation ist hier im Blick. Warum lassen wir uns so leicht ablenken? Im zweiten Teil geht es darum, Zeit für Antrieb zu schaffen. Es werden Techniken vorgestellt, wie man den Wesentlichen Aufgaben mehr Raum geben kann. Im dritten Teil geht es dann darum, externe Trigger abzuwehren. Die unterschiedlichen Arten der Ablenkung werden hier betrachtet und es werden konkrete Methoden vorgestellt, wie man sie in den Griff bekommen kann. Im vierten Teil geht es um Pakte gegen Ablenkungen – um Vereinbarungen mit sich selbst und auch um einzelne technische Hilfsmittel. Die Teile 5-7 enthalten weiterführende Gedanken. Hier geht es dann um einen unablenkbaren Arbeitsplatz, unablenkbaren Kinder und unablenkbaren Beziehungen.

Zwei wichtige Einsichten

Hier zwei Dinge, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Das Buch ist nicht aus einer christlichen Perspektive geschrieben, aber manches ist direkt übertragbar.

Die persönliche Motivation ist ganz wesentlich für unseren Umgang mit Ablenkungen. Warum checke ich meine E-Mails so oft / surfe sinnlos im Netz…? Als Christen sollten wir besonders lernen, unsere Motivation zu hinterfragen und auch Buße über sündige Verhaltensmuster zu tun.

„Wenn wir nicht die eigentlichen Ursachen der Ablenkungen angehen, werden wir uns weiterhin ablenken lassen. Es geht nämlich nicht um die Ablenkung per se, sondern um unsere Reaktion.“ (S.29).

Die Frage der Identität spielt eine entscheidende Rolle. Vegetarier essen kein Fleisch. Punkt. Genauso ist es hilfreich, wenn wir uns an unsere Identität erinnern. Was Psychologen erkannt haben, gilt schon lange für Christen.

„Indem wir unser Verhalten an unserer Identität ausrichten, treffen wir Entscheidungen basierend auf der Person, die wir glauben zu sein.“ (S.144).

Vier Dinge, die ich angehen will

  1. Eyal empfiehlt die Zehn-Minuten-Regel für dem Umgang mit Ablenkungen. Wenn wir herausgefordert sind, einem Impuls nachzugeben (egal, ob es der Griff zum Smartphone oder zur Schokolade ist), sollte man bewusst zehn Minuten verstreichen lassen, bevor man nachgibt. In jedem Fall lernt man, sich nicht von seinen Impulsen kontrollieren zu lassen. Und in vielen Fällen ist das Verlangen dann bereits Vergangenheit.
  2. Eine Wochenkalendervorlage ist eine gute Grundlage für die persönliche Zeiteinteilung. Man stellt den Wochenablauf einer perfekten Woche dar und räumt von vornherein Zeiten für wichtige Dinge ein (für einen Pastor z. B. Predigtvorbereitung, Besuche, Lesen…). Es können immer Dinge dazwischenkommen und die perfekte Woche wird es so vielleicht nie geben. Aber man kann danach streben.
  3. Benachrichtigungen habe ich auf meinem Smartphone ohnehin schon auf ein Minimum reduziert und der „Nicht stören“ Modus ist oft aktiviert. Ich will das aber noch stärker umsetzen. Eine wichtige Frage in dieser Hinsicht: „Dient der Trigger mit oder ich ihm?“.
  4. Mein E-Mail-Programm will ich in Zukunft öfter schließen. Wer eine dringenden Antwort braucht, kann anrufen. Bei einer Mail sollte es kein Problem sein, mal ein paar Stunden zu warten.

Mein Fazit

Ein hervorragendes Buch für jeden, der lernen möchte, fokussierter zu arbeiten. Ich habe nur ein paar Dinge herausgegriffen. Das Buch ist voll von praktischen Ratschlägen. Die Schriftgröße ist etwas klein geraten und die Übersetzung klingt gelegentlich etwas sperrig (ich habe zuerst das englischsprachige Hörbuch gehört). Ansonsten aber sehr empfehlenswert!

Ich danke dem Redline Verlag für die Zusendung eines kostenlosen Rezensionsexemplars. Meine Bewertung hat das nicht beeinflusst. Das Buch kann man auch direkt über den Verlag bestellen.

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