Hannah Murray, bekannt aus der Serie Game of Thrones (die ich insbesondere wegen ihrer expliziten sexuellen Inhalte ausdrücklich NICHT empfehle), hat im Guardian von ihrem Weg in eine spirituelle Gruppe, einer schweren Psychose und ihrer späteren Diagnose einer bipolaren Störung erzählt. Dabei beschreibt sie sich selbst als Teil der „Harry-Potter-Generation“. Als Kind habe sie sich gewünscht, dass es hinter unserer sichtbaren Welt wirklich eine verborgene magische Wirklichkeit gebe. Später, während ihrer Psychose, hätten sich solche Vorstellungen mit dem Gedanken verbunden, eine besondere Bestimmung zu haben und die Welt retten zu müssen. Zugleich sagt sie ausdrücklich, dass diese Geschichten deshalb nicht einfach schlecht seien.
Murrays Geschichte ist deshalb keine einfache Warnung vor Fantasy oder Magie. Sie zeigt vielmehr, wie eng Fantasy und Spiritualität für manche Menschen miteinander verbunden sein können. Der Guardian-Artikel beschreibt vielmehr ein Zusammenspiel aus Verletzlichkeit, Einsamkeit, Schauspielwelt, Selbsthilfe-Kultur, spirituellen Versprechen und psychischer Erkrankung. Gerade diese Mischung macht den Bericht so ernst. Fantasy war nicht die Ursache. Aber bestimmte Motive aus solchen Geschichten konnten bei ihr offenbar eine Sehnsucht verstärken, die später in eine gefährliche Richtung gelenkt wurde.
Fantasy ist nicht das Problem
Ich liebe gute Geschichten. In meinem Artikel über die Wingfeather Saga habe ich beispielsweise geschrieben, warum mich Andrew Petersons Fantasy-Welt begeistert (ich lese den ersten Band gerade zusammen mit meinen großen Jungs, wir sind fast durch). Dort dienen die fantastischen Elemente nicht der Verführung ins Esoterische, sondern sie bringen tiefere Wahrheiten ans Licht: Hoffnung, Erlösung, Mut, Treue und das Ringen zwischen Gut und Böse. Ich bin ebenso ein großer Fan von Narnia.
Sehr empfehlen kann ich vor diesem Hintergrund Echoes of Eden von Jerram Barrs (Affiliate-Link). Barrs zeigt, dass Literatur und Kunst aus christlicher Sicht nicht zuerst verdächtig sind. Gute Geschichten können Spuren von Wahrheit, Schönheit und Güte enthalten. Sie können Sehnsucht nach Erlösung wecken und helfen, das Gute neu zu lieben.
So beschreibt auch Andrew Peterson in seiner „Notiz an die Eltern“ zur Wingfeather Saga, dass er die Fantasie seiner Leser mit Wahrheit, Schönheit und Güte befeuern möchte. Zugleich nimmt er die Macht von Geschichten ernst: Sie prägen unser Denken, unsere Sehnsucht und unser Bild von Gut und Böse.
Die Sehnsucht kann kippen
Warum faszinieren uns magische Welten überhaupt? Vermutlich, weil sie an eine tiefe menschliche Sehnsucht rühren: Die Welt soll mehr sein als das, was man sieht. Wir wünschen uns Bedeutung, Schönheit, Rettung und eine Geschichte, in der das Gute am Ende stärker ist als das Böse.
Diese Sehnsucht ist nicht falsch. Aber sie kann in die Irre gehen. Problematisch wird es dort, wo die Sehnsucht nach einer größeren Wirklichkeit nicht mehr in Geschichten bleibt, sondern in reale spirituelle Praktiken übergeht. Genau das zeigt Murrays Geschichte. Die Gruppe, in die sie geriet, versprach Heilung, verborgenes Wissen, spirituelle Entwicklung und besondere Berufung. Es ging um Energien, Rituale, Chakren, magische Kreise und den nächsten Schritt auf einem angeblich höheren Weg.
Das ist mehr als harmlose Fantasie. Der Mensch sucht nicht mehr nach Gott, sondern nach einem Schlüssel, mit dem er sich selbst heilen, schützen oder erhöhen kann. Die Bibel warnt davor, geistliche Kräfte außerhalb Gottes zu suchen. Solche Wege sind nicht harmlos.
Nicht jede Geschichte ist für jeden geeignet
Die eigentliche Gefahr liegt nicht zuerst in einer Literaturgattung. Sie liegt im menschlichen Herzen. Fantasy kann gute Sehnsucht wecken. Sie kann aber auch Machtfantasien, Fluchtgedanken oder eine ungesunde Faszination für das Verborgene nähren.
Deshalb reicht die Frage nicht: „Kommt Magie darin vor?“ Besser ist die Frage: „In welche Richtung formt diese Geschichte das Herz?“ Nicht jede Geschichte ist für jede Lebensphase und jeden Menschen gleich gut geeignet. Was für einen Erwachsenen unproblematisch ist, kann ein Kind überfordern. Was für den einen reine Erzählfreude ist, kann beim anderen problematische Sehnsüchte verstärken.
Gerade Eltern sollten darum nicht nur erlauben oder verbieten, sondern mit ihren Kindern über Geschichten sprechen. Was ist schön an dieser Geschichte? Was ist traurig? Wer rettet? Was wird als gut dargestellt? Wo wird Macht verführerisch? Wo wird das Böse verharmlost? Solche Gespräche helfen Kindern, nicht nur zu lesen, sondern auch zu unterscheiden.
Christus erfüllt, was Magie verspricht
Falsche Spiritualität lebt von großen Versprechen: Du bist besonders. Du hast verborgenes Wissen. Du kannst dich selbst heilen. Du kannst Zugang zu geheimen Kräften bekommen.
Das Evangelium sagt etwas anderes: Du musst dich nicht selbst erlösen. Du brauchst kein geheimes Wissen. Du musst nicht durch Rituale oder spirituelle Techniken zu dir selbst finden. Christus ist gekommen, um verlorene Menschen zu retten.
Darum sollten Christen Fantasy weder pauschal verdammen noch unkritisch feiern. Gute Geschichten können helfen, Wahrheit, Schönheit und Hoffnung neu zu sehen. Andere Geschichten können dagegen Sehnsüchte nähren, die Menschen in die Irre führen. Entscheidend ist, wohin sie unser Herz lenken.
Nicht jede Tür in eine andere Welt führt ins Licht. Aber gute Geschichten können uns daran erinnern, dass es Licht gibt. Und dass dieses Licht nicht aus uns selbst kommt, sondern von Christus.
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