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Buchbesprechung: Messias ohne Manieren

Überraschenderweise gibt im deutschsprachigen evangelikalen Bereich nur wenige einführende Bücher in die Evangelien oder in das Leben Jesus’. Und von den wenigen sind die meisten noch vergriffen. Ich denke z. B. an Craig Blombergs Jesus und die Evangelien oder an F. F. Bruces Zeitgeschichte des Neuen Testaments, die beide leider nur noch antiquarisch zu bekommen sind. Mit Messias ohne Manieren ist 2017 ein einführendes Buch von Mark L. Strauss erschienen, das ich herzlich empfehlen möchte. Strauss ist einer der führenden evangelikalen Forscher auf dem Gebiet der Evangelien. Sein Fachwissen hat er mit seinem Werk Four Portraits, One Jesus mehr als bewiesen. Messias ohne Manieren ist allerdings wesentlich zugänglicher als das genannte Werk – und zudem auf deutsch verfügbar.

Strauss’ Ansatz: Die Bibel sprechen lassen

Im Gegensatz zu Blomberg und Bruce, verfolgt Strauss keinen systematischen Ansatz. Er beginnt mit schwierigen Bibeltexten aus den Evangelien und entfaltet von dort ausgehend ein Bild zur Person Jesus’ und zur Zeit in der Jesus lebte. Die Kapitel lauten z. B. „Revolutionär oder Pazifist?“, „Gesetzlich oder voller Gnade?“, „Höllenprediger oder sanfter Hirte?“ und „Sexist oder Frauenversteher?“. Es geht Strauss nicht darum, bestimmte theologische Positionen zu begründen. Bei der Frage nach der Realität der Hölle z. B. stellt er verschiedene Sichtweisen im evangelikalen Bereich vor. Obwohl er den Universalismus (Allversöhnung) als biblisch kaum haltbar bezeichnet, will er kein endgültiges Urteil fällen. Ähnliches gilt für Jesus’ Umgang mit Frauen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kapiteln diskutiert er hier in Kürze auch einige Aussagen aus den Paulusbriefen und stellt die komplementäre sowie die egalitäre Sichtweise fair nebeneinander. In beiden Bereichen hat Strauss klare Überzeugungen, er stellt diese aber nicht in den Fokus. Stattdessen hält er sich an die wesentlichen Prinzipien. Zum göttlichen Gericht schreibt er z. B.: „[D]ie Lehre vom göttlichen Gericht [ist] nicht primitiv oder rachsüchtig […]. Sie ist eine grundlegende Konsequenz von Gottes Charakter, der beides ist: liebevoll und gerecht.“ (S.129). Über Jesus‘ Umgang mit Frauen schreibt er: „Jesus kann kaum als ‚Sexist‘ bezeichnet werden, ganz gleich aus welcher Perspektive man dieses Thema betrachtet. Er hat die Frauen in einer Weise geschätzt, die zu seiner Zeit sehr selten war; Sie waren für ihn Jünger und Miterben des Reiches Gottes.“ (S.201f). Ich bin durchaus dafür, auch über strittige Themen zu diskutieren. In diesem Fall betrachte ich es trotzdem als eine Stärke dieses Buches, das Strauss die Freiheit hat, manche Frage offen zu lassen.

Mein Fazit

Messias ohne Manieren ist eine hervorragende Einführung in das Leben Jesus’. Ich würde mir sehr wünschen, dass auch Four Portraits, One Jesus ins Deutsche übersetzt würde, denn dieses Werk ist wesentlich systematischer und umfassender (umfassender noch als Blomberg). Messias ohne Manieren ist aber für ein breiteres Publikum geschrieben und von daher vielleicht noch wichtiger. Aus meiner Sicht die erste Wahl für eine Menschen, die sich intensiver mit der Person Jesus beschäftigen möchten.

Ich danke Gerth Medien für die Zusendung eines kostenlosen Rezensionsexemplars. Meine Bewertung hat das nicht beeinflusst. Das Buch kann man auch direkt über den Verlag bestellen.

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