Wie Leiter gute Bücher auswählen

Wie wählen Leiter gute Bücher aus? Ein Podcast-Impuls über hilfreiche Kriterien – und warum manche prägende Lektüre sich nicht sofort anwenden lässt.

Wer als Leiter wachsen will, kommt am Lesen nicht vorbei. Oder allgemeiner gesagt: an der bewussten Auseinandersetzung mit guten Ressourcen. Leiterschaft steht auch im Fokus des How to Lead-Podcasts. Von einem der beiden Moderatoren, Clay Scroggins, habe ich erst kürzlich ein Leiterschaftsbuch vorgestellt. In diesem Zusammenhang bin ich auch auf seinen Podcast gestoßen. In einer aktuellen Folge bringt Scroggins eine Beobachtung nüchtern auf den Punkt:

„Ich habe noch keinen erfolgreichen Leiter kennengelernt, der nicht regelmäßig gute Ressourcen konsumiert.“ (Clay Scroggins)

Reife Leiter wachsen nicht zufällig. Sie lassen sich prägen – durch Bücher, Gespräche, Podcasts, Vorbilder. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob wir lesen, sondern wie wir auswählen, was uns formt.

Vier hilfreiche Fragen zur Buchauswahl

In der Podcast-Folge stellen die beiden Gastgeber, Adam Tarnow und Clay Scroggins, vier Leitfragen vor, die bei der Auswahl von Büchern helfen sollen:

  1. Löst dieses Buch ein konkretes Problem, das ich aktuell habe?
  2. Stammt es von jemandem, den ich respektiere oder von dem ich lernen möchte?
  3. Kann ich das Gelesene zeitnah anwenden?
  4. Fordert mich das Buch heraus – oder bestätigt es nur, was ich ohnehin denke?

Diese Fragen sind ausgesprochen hilfreich. Sie schützen vor ziellosem Konsum und helfen, Lernen stärker mit dem eigenen Alltag zu verbinden – gerade in Leitungsverantwortung, wo Zeit und Aufmerksamkeit begrenzt sind.

Wenn prägende Bücher nicht praktisch sind

Gleichzeitig wird im Podcast deutlich, dass sich hilfreiche Bücher nicht immer in ein solches Raster pressen lassen. Scroggins nennt etwa die Biografie von Im Schatten des Allmächtigen als ein für ihn prägendes Buch. Bei dieser Art von Lektüre wird es schwerfallen, zumindest die erste und die dritte Frage im Vorfeld positiv zu beantworten – und doch beschreibt Scroggins das Buch als tief prägend.

Gerade Biografien oder theologisch geprägte Texte entfalten ihre Wirkung oft zeitverzögert. Sie lassen sich nicht einfach „anwenden“, sondern arbeiten leise im Hintergrund – manchmal über Jahre. Von daher wäre ich zurückhaltend, dieses Raster als bindend zu verstehen.

Die vier Fragen sind hilfreiche Filter. Sie unterstützen bei der Auswahl, ersetzen jedoch nicht geistliches Urteilsvermögen. Manche Bücher erfüllen nur einzelne dieser Kriterien und sind dennoch langfristig fruchtbarer als manch hochpraktisches Handbuch.

Fazit

Die vier Fragen aus dem Podcast sind ein wertvolles Raster für bewusste Lektüre. Sie schützen vor Ziellosigkeit und Beliebigkeit. Zugleich zeigen die eigenen Beispiele der Podcast-Partner, dass prägende Bücher nicht immer praktisch oder eindeutig nützlich sein müssen.

Wer geistlich und leitend wachsen will, braucht beides: Bücher, die konkret helfen, und Bücher, die tiefer ausrichten. Gute Lektüre tut manchmal sofort gut – und manchmal erst mit Abstand.

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