Demenz ist für Betroffene eine schwere Diagnose – und für Angehörige oft eine noch größere Belastung. Mit Fremd und doch vertraut: Demenziell Erkrankte verstehen und im Glauben begleiten (Affiliate-Link) legt Norbert Rose ein sehr praxisnahes Buch vor, das besonders in der seelsorgerlichen Begleitung stark ist. Es will keine theologische Tiefenbohrung leisten, sondern Orientierung und konkrete Hilfe geben. Wer Menschen mit Demenz nicht alleinlassen will, findet hier viele tragfähige Gedanken und hilfreiche Schritte.
Anliegen & Kontext
Die Unsicherheit im Umgang mit demenziell Erkrankten ist groß. Vergesslichkeit ist das eine. Schwieriger wird es, wenn sich Wahrnehmung und Verhalten verändern: Betroffene behaupten Dinge, die objektiv nicht stimmen, sie wollen „nach Hause“, obwohl dieses Zuhause längst nicht mehr existiert, oder sie fragen nach Menschen, die bereits gestorben sind.
Rose bringt für diesen Bereich viel Erfahrung mit. Er war lange Pastor und über viele Jahre seelsorgerlich in Seniorenzentren tätig. Heute arbeitet er im Raum Karlsruhe und gehört zur geistlichen Leitung des Bibelkonferenzzentrums Langensteinbacher Höhe. Seine Stärke: Er schreibt nicht aus der Distanz, sondern aus vielen Begegnungen heraus.
Ein Satz im Buch bringt die Realität nüchtern auf den Punkt: „Die Begleitung von Dementen bleibt immer eine Überforderung.“ (S. 20) Das wirkt zuerst ernüchternd, ist aber auch entlastend. Wer begleitet, darf anerkennen: Das hier ist schwer. Und niemand macht alles „einfach richtig“.
Inhaltliche Schwerpunkte
Rose erklärt zunächst verständlich, was bei Demenz geschieht. Dabei bezieht er sich vor allem auf den Typ Alzheimer. Es gibt auch andere Formen; die Symptome sind jedoch oft ähnlich.
Sehr einprägsam sind die beiden „Demenzgesetze“, die gewissermaßen den roten Faden bilden. Erstens: Neue Gedächtnisinhalte werden nur noch schlecht gespeichert; vieles kommt nicht mehr an oder bleibt nicht mehr haften. Zweitens: Nach und nach gehen auch frühere Gedächtnisinhalte verloren, oft beginnend bei den jüngeren Erinnerungen. Wer das verstanden hat, reagiert anders: weniger ärgerlich, weniger korrigierend – und geduldiger.
Der Schwerpunkt des Buches liegt dann klar auf der Begleitung. Rose zeigt, wie Gespräche gelingen können – häufig nicht im Austausch über die Gegenwart, sondern über frühere Zeiten. Weil ältere Erinnerungen oft länger erhalten bleiben als die jüngere Vergangenheit, kann es hilfreich sein, bewusst biografisch anzuknüpfen. Rose beschreibt dazu praktische Ansätze der Biografie-Arbeit und ermutigt, mit echtem Interesse zuzuhören und nicht zu „prüfen“, ob etwas stimmt.
Damit hängt ein wichtiger Grundsatz zusammen. Rose formuliert zugespitzt: „Der Demente hat immer recht […]. Für ihn ist sein Verhalten zwingend und logisch, mag es von außen gesehen noch so ‚verrückt‘ erscheinen.“ (S. 30) Gemeint ist nicht, dass alles objektiv richtig wäre. Sondern: Es ist in der inneren Welt des Erkrankten plausibel. Begleitung heißt dann zu verstehen – und zuverlässig da zu sein.
Stärken
Die größte Stärke des Buches liegt in seinem hohen Praxisnutzen. Es nimmt Unsicherheit ernst und gibt konkrete Orientierung. Viele typische „Fettnäpfchen“ werden benannt, ohne belehrend zu wirken. Gerade für Gemeindemitarbeiter im Besuchsdienst oder in der Seniorenarbeit ist das eine wertvolle Hilfe.
Zugleich überzeugt der seelsorgerliche Ton. Rose schreibt nicht distanziert über ein Problem, sondern sichtbar mit innerer Anteilnahme. Er verschweigt weder das Leiden der Erkrankten noch die Überforderung der Angehörigen. Beides bekommt Raum.
Auch die realistische Sicht auf Gemeinde ist hilfreich. Demenz kann irritieren. Menschen verhalten sich nicht mehr „normgerecht“. Doch gerade hier zeigt sich, ob Gemeinde wirklich ein Ort der Barmherzigkeit ist. Das Buch hilft, diese Perspektive neu einzuüben.
Grenzen
Theologisch ist das Buch bewusst zurückhaltend. Wer eine ausführliche systematische Einordnung von Demenz im Rahmen einer umfassenden Anthropologie oder Leidenslehre erwartet, wird hier nur begrenzt fündig. Das ist jedoch kein Mangel im engeren Sinn, sondern eine klare Schwerpunktsetzung.
An einzelnen Stellen hätte der medizinische Teil etwas straffer ausfallen können. Nicht jeder Leser wird alle Details gleichermaßen interessant finden. Gleichzeitig schadet diese Ausführlichkeit nicht – man kann entsprechende Abschnitte bei Bedarf überlesen.
Nutzen für Gemeinde-Mitarbeiter
Für Pastoren, Älteste, Hauskreisleiter oder Mitarbeiter im Besuchsdienst ist dieses Buch besonders empfehlenswert. Es hilft, Gespräche angstfreier zu führen, die Situation von Angehörigen besser nachzuvollziehen und eigene Erwartungen zu überprüfen. Darüber hinaus ermutigt es, über spezielle Gottesdienstformate für demenzkranke Menschen in Seniorenheimen nachzudenken.
Gemeinde hat einen besonderen Auftrag für die Schwachen. Demenz ist kein Randthema, sondern eine Realität, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Dieses Buch unterstützt dabei, nicht hilflos oder lieblos zu reagieren, sondern bewusst und vorbereitet.
Fazit
Fremd und doch vertraut (Affiliate-Link) ist ein seelsorgerlich starkes, praxisnahes Buch zum Thema Demenz. Es bietet genau das, was viele brauchen: Orientierung, Empathie und konkrete Handlungshilfen.
Wer Menschen mit Demenz – und ihre Angehörigen – nicht alleinlassen möchte, findet hier eine wertvolle Unterstützung.
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